Bestatter Volker Diericks hilft, wenn Trauer und Schmerz übermächtig sind

Verabschiedung, Trauer, Gedenken. In den Räumen des Dülkener Beerdigungsinstituts Jansen schwebt eine besondere Ruhe. Sie ist nicht greifbar, nicht in Worte zu fassen, sie berührt Seelen und festigt das Gefühl, in dieser schwierigen Zeit einen einfühlsamen Ansprechpartner mit Herz gewählt zu haben.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Dülken – Seit rund 70 Jahren ist das Bestattungshaus Jansen in Dülken ansässig. Die einfühlsame Betreuung und der umfassende Service in der schwierigen Zeit untermauern den hervorragenden Ruf, der über viele Jahrzehnte hinweg durch Brigitte Jansen gefestigt wurde.
Anfang Januar 2000 übernahm Volker Diericks das Beerdigungsinstitut, welches er seit dieser Zeit mit seiner Familie führt.

„Seit 1995 bin ich Bestatter. Ich wollte mich selbstständig machen und da ich schon seit meinem 18 Lebensjahr bei der Feuerwehr aktiv bin, habe ich auch keine Berührungsängste mit Leichen gehabt“, erinnert sich Volker Diericks. „So habe ich dann völlig blauäugig begonnen. Ich habe mir einen Leichenwagen gekauft, das benötigte Equipment, habe ein eigenes Haus gehabt. Neu auf dem Markt, bin ich dann erst einmal belächelt worden. Doch wir wuchsen und dann habe ich das Bestattungshaus Jansen gekauft. Ein alteingesessenes Unternehmen und die gute Betreuung der Vorbesitzerin war für mich Vorbild.“


Beerdigungsinstitut Brigitte Jansen e.K.
Inhaber Volker Diericks
Venloer Str. 50 | 41751 Viersen
Telefon: 02162 55944
E-Mail: info@Bestattungshaus-Jansen.de
Webseite: www.bestattungshaus-jansen.de


Fünf Jahre lang führte er das Bestattungshaus an der Lange Straße weiter, baute die feinfühlige Betreuung weiter aus. Irgendwann wurde der Platz zu knapp, weshalb man sich auf die Suche nach einem Gebäude machte, welches den Service „alles außer einer Hand“ fassen konnte. Im Frühjahr 2005 zog das Bestattungshaus in die heutigen Räume.
„Seit 2004 habe ich darüber nachgedacht: Was kann ich den Kunden noch bieten? Eine eigene Trauerhalle, ein eigenes Bestattungscafé, Verabschiedungsräume oder eine Rentenberatung haben wir nun unter einem Dach hier an der Venloer Straße“, erklärt der Bestatter. Die Angehörigen erhalten den Schlüssel zu ihrem persönlichen Verabschiedungsraum, können sich jederzeit bis zur Beerdigung von ihren Lieben verabschieden. Eine Möglichkeit, die zunächst viele Genehmigungen erforderte.

Längst berät und betreut einfühlsam die gesamte Familie Diericks. „Meine Frau fährt mit einsargen, wir machen die Verstorbenen fertig, sodass sie aussehen als ob sie schlafen. Dazu gehört auch ein wenig Kosmetik. Meine Tochter, mein Stiefsohn und unsere Angestellten sind eine Gemeinschaft und arbeiten Hand an Hand“, beschreibt der Bestatter, antwortet auf die Frage, ob man denn nicht nach der Arbeit und trauernden Angehörigen selber einen Ort der Ruhe ohne die tägliche Arbeit benötigt mit der Hilfe, die gegeben werden konnte. „Wir haben häufig Tage an denen es menschlich nicht einfach ist, jedoch helfen wir den Familien. Wir sind eigentlich Helfer, wir sind ein Helfer in der Trauerzeit. Zudem habe ich ein ausgeprägtes Helfersyndrom. Das kann man nicht ablegen, aber man kann es ausleben, bei der Feuerwehr oder eben als Bestatter.“ Die Menschen seien für diese Hilfe dankbar und Diericks möchte seinen Beruf nicht missen – trotz der Corona-Pandemie.

„Wir haben häufig Tage an denen es menschlich nicht einfach ist, jedoch helfen wir den Familien. Wir sind eigentlich Helfer, wir sind ein Helfer in der Trauerzeit.“ Foto: Rheinischer Spiegel

In dieser seien Bestattungen besonders schwierig geworden. Jede Beerdigung bringt nicht nur einen enormen Bürokratismus mit sich, denn der Bestatter muss mindestens für jede Beerdigung zweimal zum Standesamt. Ebenfalls sei das Abschiednehmen nur mit der Hälfte der bisher in den Räumen möglichen Personen möglich, das Café ist geschlossen. Nach jedem Gebrauch wird die Halle mit einem Sprüher vollständig desinfiziert, Leichensäcke, Handschuhe, Desinfektionsmittel – in diesem Jahr war es zeitweise fast unmöglich das Materiallager wieder aufzufüllen.
„Gerade erst hatte ich meinen ersten Corona-Fall. Wir müssen den Verstorbenen mit einem Vollschutz abholen, so ist es im Bestattungsgesetz festgelegt. Der Sarg muss verschlossen und deklariert werden“, so Diericks. Dieser Schutz sei auch deshalb notwendig, weil selbst nach dem Tod Luft entweichen kann – diese kann bei einer Corona-Erkrankung immer noch eine Infektion übertragen.

Überhaupt hätte sich das Bestattungswesen mit der Zeit verändert. Nachdem die Bundesregierung 2004 das Sterbegeld gestrichen und die rot-grüne Regierung die Zuschüsse für Friedhöfe als Naherholungsgebiete eingespart hatte fehlte den Kommunen und Angehörigen plötzlich Geld. Mit weniger Erdbestattungen müssen jedoch auch die Plätze auf den Friedhöfen stetig steigen. „Und je teurer die Gräber werden, umso weniger kommen“, sagt der Bestatter. „Ich kämpfe seit Jahren gegen diese Problematik. Gerade haben wir allerdings wieder einen Trend zu Erdbestattungen, denn mittlerweile sind die Kosten für die Urnen- und Erdbestattungen fast gleich. Es geht sich hier nur um die Pflege.“ Auf den Viersener Friedhöfen dürfe beispielsweise nur auf Urnengräbern eine vollständige Platte aufgebracht werden – für Angehörige, die anreisen müssen, ergibt sich hierdurch ein größerer (Kosten-)Aufwand, denn das Grab muss stetig gepflegt werden.

Wer diese Entscheidung seinen Angehörigen abnehmen möchte oder bereits zu Lebzeiten bestimmen will, wie er beerdigt wird, auch dazu berät die Familie Diericks. Einige Ordner mit Bestattungsvorsorgeverträgen reihen sich im Büro aneinander – Beratung und Vertrag sind kostenlos.
Die große, klimatisierte Trauerhalle steht allen Religionsgemeinschaften zur Verfügung und verleiht mit ihrer Ausstattung den passenden Rahmen. Möglich ist zudem mittlerweile die Trauerfeier live über das Internet zu übertragen, denn gerade in der aktuellen Situation kann nicht jeder anreisen. Die Trauergäste erhalten hierfür einen Zugangscode.
Ein weiteres, wichtiges Angebot, nicht nur in der Pandemie, sind die angebotenen Verabschiedungsräume. Die Angehörigen erhalten einen Schlüssel und haben hier die Möglichkeit sich in Ruhe zu jeder Tag- oder Nachtzeit zu verabschieden. Ein Moment des Alleinseins mit dem Verstorbenen, denn alleine lässt Volker Diericks niemanden. „Wir kümmern uns und erledigen mit unseren Kunden auch Behördengänge.“ Ein Service, der bei den Behördengängen beginnt, sich bei der Organisation der Trauerfeier wiederfindet und auch die Antragstellung der Witwen- bzw. Witwerrente umfasst – mit viel Herz und Einfühlungsvermögen, genau wie vor siebzig Jahren. (cs)

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